Wächst mit dem 17jährigen Timo Braun mit dem Sieg am Bismarckturm ein großes Berglauf-Talent heran? Die frühere Berglauf-Nationalläuferin Tanja Hellmann feiert in Bad Dürkheim ein erfolgreiches Comeback
Die Mär vom Goldenen Oktober beim Bad Dürkheimer Berglauf schien fast schon der Vergangenheit anzugehören, da blinzelte zum finalen Aufstieg am Bismarckturm doch für Minuten die Sonne hervor – herrliche Farbspiele der gelb-rötlichen Blätter rundeten letztlich bei angenehmen 14° die Entscheidungen um die integrierten Rheinland-Pfalz-Landesmeisterschaften beim 29. Bad Dürkheimer Berglauf prächtig ab.
Und vorweg stürmte ein junger Läufer im Trikot des TV Homburg, den so wirklich niemand auf der Rechnung hatte. Es sollte in keiner Weise die vorzügliche Leistung des eigentlichen Bahnläufers Timo Braun aus dem Saarländischen schmälern, denn die zuletzt zumeist auf den ersten Plätzen einlaufenden Asse wie Leander, Jonas, Tim oder Lennart bzw. Simone und Charlotte waren diesmal nicht dabei. Zumal gemäss einer alten Weisheit nur derjenige gewinnen kann, der auch am Start steht. Dabei ist Timo in der Laufszene im Jugendbereich keineswegs ein völlig unbeschriebenes Blatt, denn der 17jährige Schützling von Aline Zaar wurde bei den deutschen U18-Meisterschaften in Wattenscheid über 3000 m Sechster in 8:50,05 Minuten, hat zudem mit 4:07,03 und 15:27 zwei bemerkenswerte Bestzeiten über 1500 m bzw. im 5 km-Straßenlauf. Und liebt in besonderem Maße Berg- und Trailläufe. „Erste Erfahrungen habe ich bei unserem Sommerurlaub beim Muterlauf bei Meran und beim Kampenwand-Berglauf machen können“, umreißt Timo seine „Bergaffinität“, wo er bereits zweimal mit Rang fünf im Gesamteinlauf auftrumpfen konnte.

Der Abiturient sieht zweifellos im Berg- und Traillaufen seine Stärken: „In bin gut bergauf, flaches Gelände liegt mir weniger!“ So kam es auch, dass er sich im selektiven Schlussteil hinauf zum Bismarckturm aus der kleinen Spitzengruppe lösen konnte – und zum überraschenden Sieg in 37:21 Minuten kam. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Männer schlagen würde“, gestand er bei der Siegerehrung in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen. 16 Sekunden zurück folgte mit Lukas Rheinheimer der erste Pfälzer, der für den TV Rodenbach damit auch Landesverbandsmeister wurde.
Mit 17 hat man gewiss Träume. Für Timo Braun ist dies ein Start im Nationaldress bei den Berg- und Trail-Weltmeisterschaften 2028 in den französischen Alpen. Auch wenn im kommenden Jahr das Abitur Vorrang haben sollte, sind Starts bei attraktiven Bergläufen gesetzt. „Leider werde ich wohl nicht bei den Berglaufmeisterschaften am Nebelhorn starten können, da parallel die Bahnmeisterschaften in Rostock anstehen. Da wird meine Trainerin wohl eine andere Priorität setzen…!“ Und liebäugelt in der allmählich ausklingenden Saison 2026 mit zwei weiteren Starts beim Pfälzer Berglauf-Pokal. Zumal die Chancen im Gesamtklassement nicht einmal zu schlecht stehen…..
Denn durch die Lockerung des Pokalwertung sind heuer nur drei Bergläufe für die Gesamtwertung nötig, mit dem Potzberg-Berglauf und dem Kalmit-Berglauf stehen noch zwei Rennen auf dem Programm – und öffnen somit allen „late entries“ noch eine Eingliederung in die finale Pokalwertung.
Neuer RLP-Berglaufmeister wurde mit Lukas Rheinheimer ein versierter Läufer, der es allerdings bislang kaum über Podestplätze hinaus geschafft hat, ins Rampenlicht zu rücken. Beim Bad Dürkheimer Berglauf schlug jedoch die Stunde für den 37jährigen Rodenbacher, der bis zum Zieleinlauf am Bismarckturm den Sieger Timo Braun auf Sichtweite bedrängte, ihn allerdings nicht mehr ernsthaft in Gefahr bringen konnte. „Ich habe mich immer wieder umgeschaut, weil ich dachte, Lukas würde noch einmal angreifen“, gestand Timo mit großem Respekt.
Nach 38:03 Minuten konnte sich mit Alexander Tarlton ein früherer U23-Rad-Jungprofi als Dritter der Tageswertung auszeichnen. Nach Rang 5 im Vorjahr (und der klasse Endzeit von 36:29 Minuten) sprang der nunmehr 26jährige Bad Dürkheimer nun auf das Siegerpodest der Gesamtwertung. „Ich habe Spaß am Laufen“, gestand Alexander bei der Siegerehrung. Seine „Karriere“ im U23-Nationalkader endete vorschnell mit 22 Jahren und 2 DM-Bergsprint-Titel, als Aufzugstechniker ist er inzwischen Vollzeit beschäftigt und läuft als Bad Dürkheimer „des Öfteren“ zum Bismarckturm. „Dieses Jahr war ich schon sechsmal oben!“ Eine „zweite Karriere“ als Läufer schließt er aktuell aus: „Da müsste ich mehr trainieren“, grinst er verschmitzt. Es kann aber durchaus sein, dass er bereits in der kommenden Woche bei der Premiere des Löwensteiner Berglaufs neben seinem früheren Radkollegen Tim Zeltner (dem Vorjahreszweiten in Bad Dürkheim) an der Startlinie steht.
Triathlet Uwe de Mas vom DSW 1912 Darmstadt holte sich Rang vier nach 38:34 Minuten vor Marcel Job, der als M40er mit nunmehr die Zwischenwertung beim Pfälzer Berglauf-Pokal mit 838,79 Punkten anführt. Mit Jonas Löcher sprang ein weiterer 17jähriger als Tagessechster auf das Podest, denn im Trikot des TuS Ahrweiler wurde er nicht nur U18-Meister, sondern auch Dritter der Rheinland-Pfalz-Meisterschaften.
Mit einem Sieg meldete sich Tanja Hellmann zurück in die Berglaufszene. Die 34jährige der LG Rülzheim bestritt zwar eine Reihe von Straßenläufen, doch die frühere Berglauf-Nationalmannschaftsläuferin war seit 2024 nicht mehr in Sachen Berglauf unterwegs. „Ich konnte von Beginn an mein Rennen laufen“, gestand die zweifache Mutter von zwei Buben, „denn ich habe keine Konkurrentin vor oder direkt hinter mir gesehen“. Nach einer Erkältung lief sie mit etwas Trainingsrückstand mit 43:59 Minuten („so langsam war ich in Bad Dürkheim noch nie unterwegs!“) auf Position 26 der Gesamtwertung und Frauenerste ins Ziel „Ich werde mir es noch einmal überlegen, ob ich doch noch in den Pfälzer Berglauf-Pokal einsteige“, ließ sie die Teilnahme für den Potzberg- und Kalmit-Berglauf offen. Und würde damit die Spannung auf den Pokalsieg 2026 ungleich erhöhen.
Konstant auf gutem Niveau ist in der Pfälzer Berglaufszene Eva Katz unterwegs, mit 45:05 Minuten wurde sie als Tageszweite natürlich RLP-Vize- und W50-Meisterin. Natascha Hartl schaffte als Dritte 45:57 Minuten und führt damit die Pokal-Zwischenwertung mit 711,96 Punkten vor Katharina Dietz (691,87) und Marion Raab (673,98) an, die in der Tageswertung die Plätze vier und fünf mit 47:10 bzw. 47:26 Minuten belegten. Die sechsmalige Pfälzer Berglauf-Pokalsiegerin Simone Raatz rangiert mit zwei Wertungsläufen mit 504,43 Punkten auf Rang elf und möchte nach einer krankheitsbedingten Auszeit beim Potzberg-Berglauf wieder an der Startlinie stehen.

Ganz im Gegensatz zu den Vorjahren bleibt es im Rennen um den Gesamtsieg beim Pfälzer Berglauf-Pokal bis zum finalen Rennen spannend, wenn einige Fragen drängen sich auf: Gewinnt Lennart Nies nach 2023 ein weiteres Mal? Denn nach 2 Wertungsläufen liegt er mit 587,60 Punkten zwar nur auf Rang 26, doch bei ihm ist alles möglich! Punktet der am Donnersberg so überragende Leander Fink bei den beiden noch ausstehenden Rennen? Dann sollte ihm der Sieg nicht zu nehmen sein! Nicht zu vergessen ist gewiss der Bad Dürkheimer Tagessieger Timo Braun, der mit zwei starken Rennen die Rangfolge der Etablierten auf den Kopf stellen würde. Oder schafft es diesmal Marcel Job, der aktuell Führende in der Zwischenwertung? Trotz der aktuellen Führung von Natascha Hartl könnte es bei zwei (Pflicht-)Starts von Tanja Hellmann und dem noch ausstehenden (einen) Wertungslauf von Simone Raatz auf ein Duell dieser beiden Läuferinnen hinauslaufen.