Furioser Auftakt für die 125-Jahr-Feier

Bergläufer setzen mit der zweitbesten Beteiligung „ever“ beim 37. Hohenneuffen-Berglauf ein Ausrufezeichen. Im Alleingang holt Dominik Notz den dritten Sieg in Folge, während Corinna Coenning nach verletzungsbedingter Pause in alter Stärke auch zu Sieg Nummer drei läuft

„Ich bin total begeistert von der diesjährigen Veranstaltung. Es hat sich bereits frühzeitig eine höhere Beteiligung abgezeichnet, aber dass wir dann sogar 515 Finisher auf der Burg hatten, das ist phänomenal. Auch der Schüler-Berglauf begeistert mit einer Rekordbeteiligung von 173 Kindern und Jugendlichen“, so Frank Klass, der Organisationsleiter seit gefühlt fünfzehn Jahren. „Insgesamt war dies die Veranstaltung mit der zweitbesten Teilnehmerzahl über alle Läufe hinweg. Nur 2006, als wir die Deutschen Berglaufmeisterschaften der Senioren ausgerichtet hatten, gab es mehr Teilnehmer!“

Selbst wenn man nun akribisch die teilnehmenden Schüler herausrechnet, bleibt der „37. Hohenneuffen-Berglauf“ eine der bestbesuchtesten Veranstaltungen „ever“. Genauer gesagt, die viertgrößte Beteiligung. Doch genug mit dem äußeren Rahmen, der einmal mehr die gewohnte Beurener Qualität offenbarte und dies trotz der enormen Steigerung an der Startlinie. Wo sonst vielleicht dreihundert die Hatz auf die Burg Hohenzollern begannen, da standen nunmehr gleich über fünfhundert Bergläufer an der Startlinie in Linsenhofen. Durch die Integrierung der Meisterschaften für Baden-Württemberg, die kurioserweise als „Trailmeisterschaften“ bezeichnet wurden, wurde die 37. Auflage zudem zu einer Veranstaltung auf bemerkenswertem Niveau. Mit einigen Überraschungen, auf diese wir sehr gerne eingehen.

„Bis auf ein paar Kleinigkeiten hat alles super funktioniert“, rundete Frank Klass, der sich übrigens wieder unter das Laufvolk mischte und mit Bravour als Elfter der M45 sogar noch unter der 50-Minuten-Marke blieb, sein Fazit ab. „Durch die Organisation bleibt natürlich die eigene Vorbereitung auf den Lauf hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Aber das nehme ich gerne in kauf!“ SWF-Fernsehen ließ sich übrigens das Laufspektakel nicht entgehen und fasste in wenigen Minuten nette Impressionen mit dem heimlichen Star des Hohenneuffen-Berglaufes, dem 63jährigen Anton Palesch, der zum 36. Mal für die Hatz auf seinen Hausberg die Laufschuhe schnürte. Im Leibchen des TB Neuffen. Nach 67 Minuten lief der wahre Masterläufer über die Ziellinie und – gönnte sich ein nahrhaftes Bier als Erstversorgung.

Die Dramatik des 37. Berglaufes, pardon Traillaufes, und der Titelkämpfe im Ländle ist schnell erzählt, denn es gab keine. Noch in der Nacht aus Slowenien angereist, stand Dominik Notz etwas ermüdet an der Startlinie. Er hatte nach den beiden harten Wettbewerben der Berg- und Trail-Europameisterschaften noch ein paar Tage Urlaub angehängt, was gewiss die Regeneration beschleunigte. Nach dem Startschuss zeigte Dominik allerdings nicht die geringste Spur an Müdigkeit, denn schon nach einem Kilometer jubelten ihm in Balzholz gefühlte 200 Kids zu und bestaunten seinen immensen Vorsprung, den er durch seinen furiosen Start bereits herausgelaufen hatte. „Die ersten vier Kilometer ist Dominik im 3:30er Schnitt gelaufen“, staunte Uli Döbler, der Gründer des Berglaufes zur Burg Hohenneuffen, am Steuer des Führungsfahrzeugs.

„Ich wollte eigentlich nur mein eigenes Tempo laufen“, gestand Dominik Notz nach dem Rennen. „Ich war mir nicht so sicher, wie es mir gehen würde. Denn die beiden EM-Rennen habe ich schon noch gespürt!“ Nach 36:30 Minuten war der 33jährige im Ziel – und sogar noch sieben Sekunden schneller als bei seinem Sieg im Vorjahr.

Fast drei Minuten musste der für die LAV Stadtwerke Tübingen startende Dettinger warten, bis er dem ersten Verfolger nach 9,3 km und 535 Höhenmetern auf dem Siegerpodest gratulieren konnte. In einem spannenden Rennen setzte sich Pascal Nothacker im Dress des VfL Ostelsheim knapp gegen Lukas Diebold durch, beide trennten gerade einmal sechs Sekunden. Nothacker, da war doch was? Stimmt, aber Pascal gibt sehr schnell zu, dass er mit dem früheren deutschen 5000 m-Meister Paul Nothacker aus Calw nicht verwandt ist. „Seine Resultate in der Kreisbestenliste sind für mich eine hohe Messlatte, an die ich mit Sicherheit nie herankommen werde!“ gibt der 28jährige unumwunden zu. „Für mich lief es heute sehr gut. Ich laufe regelmäßig am Berg und konnte nach zunächst vorsichtigem Beginn im Schlußteil richtig aufdrehen!“

Und Lukas gab unumwunden zu, dass der Berglauf zur Burg Hohenneuffen „sauhart“ sei. Vor allem, wenn er im Gespräch zugeben musste, dass er noch zwei Tage zuvor einen 5000 m-Bahnlauf bestritten hatte. Mag vielleicht aus ausschlaggebend gewesen sein, dass ihm einige Körner für einen Sprint gefehlt hatten. „Im Burghof waren wir eingangs noch zusammen, da ging es letztlich nur noch darum, wer zuerst stirbt!“

Mit Dominik, Pascal und Lukas waren auch die Medaillengewinner der BaWü-Meisterschaften, die allerdings nur 119 Platzierte aufzuweisen hatten, fix, als schnellster Mastersläufer überzeugte Sascha Chwalek (M45) auf Rang fünf der Gesamtwertung, gefolgt vom M40-Sieger Benedikt Nußbaum. Auf Rang 10 der BaWü-Wertung taucht mit Christoph Seibold der schnellste Jugendliche auf, zwei Minuten und vier Plätze dahinter der U23-Sieger Tim Heilig.

Spannend bis nahezu in den Burghof verlief das Rennen bei den Frauen. Jubeln durfte final Corinna Coenning, die in 42:52 Minuten sogar ihre Hohenneuffen-Bestzeit schaffte und den dritten Sieg nach 2023 und 2024 buchen konnte. „Ich denke, dass mir die Streckenkenntnisse einen Vorteil einbrachten“, gestand die Nürtinger Lehrerin freimütig. Vor einer Woche hatte sie noch einmal die Strecke abgelaufen – und sich vielleicht auch schon einen „Shlachtplan“ gegen die Konkurrenz ausgedacht. Nach einem Achillessehnenriss vor drei Jahren war Corinna ziemlich aus der Szene weggetaucht. „Ich habe mir immer gesagt: So lange du Schmerzen hast, kann das Laufen keinen Spaß0 machen! Seit August 2025 laufe ich wieder regelmäßig, aber wenige Wettkämpfe. Ich gehe nun einfach eher ergebnisoffen in einen Lauf hinein!“ Der Erfolg gibt ihr recht, denn heuer hat sie bereits zwei Topresultate bei der Schönbuch Trophy und beim Lichtenstein Trail vorzuweisen. Einmal unterlag sie der Tübingerin Hannah Graf und einmal kam sie vor ihr ins Ziel. Bei den Titelkämpfen in Beuren jedenfalls war ihre Dauerkonkurrentin nicht am Start, dafür aber mit Valerie Moser eine wohl ebenbürtige Gegnerin.

Und diese war die 28jährige Allround-Sportlerin mit Vorliebe für Radfahren und Triathlon. „Mein Problem war eigentlich, dass ich die Strecke nicht gekannt habe. Ich dachte immer, da kommt noch ein weiterer Anstieg…!“ Mit dem Rad ist sie für die Karlsruher Lemminge unterwegs, die Lauflizenz jedoch beim Running Team Ortenau.

Als Dritte zeigte sich mit Denise Schumacher eine frühere zur erweiterten nationalen Spitze zählende Mittelstrecklerin, die aus dem Startort Linsenhofen stammt und inzwischen Mit-Inhaberin des Sportstudio Thum ist. Unter dieser Firmierung ist sie mit ihren 43:58 auch als Siegerin der W30 geführt und hinterließ mit diesem Auftritt einen bemerkenswerten Eindruck mit einem Rückstand auf Valerie von nur 44 Sekunden. Auf den nächsten Plätzen folgten die BaWü-Platzierten Monika Möschel (W40) und die U23-Siegerin Lisa Maisch. In der Olverall-Wertung tauchen auch mit Karoline Brüstle (2025), Simone Raatz (2022), Romy Spannowsky (2021) und Christine Sigg-Sohn (2013) die Siegerinnen früherer Ausgaben des Hohenneuffen-Berglaufs auf.

Zurück auf ihre Hausstrecke kehrte dabei mit Monika Möschel (ehemals Pletzer) die Siegerin der Jahre 2012, 2015, 2017 und 2018 mit einer beeindruckenden 46er Endzeit. „Es lief erstaunlich gut, zumal meine Bestzeit auch nur 45:01 ist. Für mich ist dies nach 2023 der erste Wettkampf wieder“, so die inzwischen 41jährige Berglauf-Europameisterin von Adelboden. Als Verfahrenstechnikerin ist sie beruflich in Biberach stark eingespannt. „Zum Laufen gehe ich zwei- bis dreimal die Woche!“

In Beuren jedoch war der 37. Hohenneuffen-Berglauf lediglich der Auftakt zur 125 Jahre Jubiläumsfeier. Dabei stehen bereits am Freitag die Familien-Olympiade und ein Festakt an. Sportlich geht es am Samstag mit einem Crosslauf mit Hindernissen für alle Altersklassen weiter, bevor am Sonntag nach dem Weißwurstfrühstück die 1. Beurener Straßenfußball-WM auf dem Programm steht. Dies alles musikalisch umrahmt mit dem Musikverein, Live Band und DJs. „Das Vereinsjubiläum fast direkt im Anschluss lässt nicht viel Luft zum Atmen. Den „Crosslauf mit Hindernissen“ habe ich mir ausgedacht. Bin mal sehr gespannt, wie es ankommt“, so Frank Klass, der mit Michael Gneiting einmal mehr für die Gestaltung des Berg- und Trailevents bei der Veranstaltungsgemeinschaft TSV Beuren und TSV Frickenhausen verantwortlich zeichnete. Aber los gehen die Feierlichkeiten in dieser Woche bereits am Donnerstag, wenn Alina Reh mit Radio 7 nach Beuren kommt.