Leander Fink schneller als Thomas Greger

Der 24jährige angehende Zahnarzt drückt im Alleingang den seit 2007 bestehenden Streckenrekord beim Donnersberglauf um eine Sekunde und Simone Raatz läuft zum achten Mal als Siegerin auf den höchsten Berg der Pfalz

Es war im wahrsten Sinne Maßarbeit, die Leander Fink am Samstagnachmittag gegen 15.30 Uhr abgeliefert hatte. Die „Flanke“ landete allerdings keineswegs in irgendeinem Fußballstadion der Bundesliga, die just zu dieser Zeit stets zu einem Hexenkessel werden, wenn x gegen y spielt und die Fans schier aus dem Häuschen geraten. Sondern das neu angebrachte Schild „Fink Flanke“, in der Möbelschreinerei Rahm des Berglauf-Chefs Uwe Rahm gefertigt, honoriert jedenfalls die bisherigen Leistungen des für den TV Alzey startenden angehenden Zahnarztes am Donnersberg. Vor der 33. Auflage des auf den mit 687 Metern höchsten Berg der Pfalz führenden Lauf hatte Leander nämlich in den vergangenen drei Jahren den Traditionslauf gewonnen und somit das „Anrecht“ auf eine Beschilderung an einen markanten Streckenpunkt erworben. So wie zuvor schon Sabine Rankel, Melanie Noll, Simone Raatz, Christian Englert, Thomas Greger und Jonas Lehmann.

Aber der vierte Erfolg auf der durchgängig asphaltierten Strecke vom Keltendorf Steinbach über Dannenfels zum Ludwigsturm (im Schatten des 200 m hohen SWR-Sendemastes des Senders Donnersberg) sollte gekrönt werden durch einen beispiellosen Tempolauf, der letztlich als neuer Streckenrekord in die Analen der Veranstaltung eingehen wird. 19 Jahre lang hielt der Ludwigshafener Ausnahmeläufer Thomas Greger mit 26:18 Miten die Rekordmarke – bevor nun mit Leander Fink ein aufstrebender Langstreckler aus Ober-Olm diesen knackte. Und zwar hauchdünn – um eine Sekunde! Besonders wertvoll zumindest, dass wie Thomas Greger auch der neue Streckenschnellste dies mit einem Start-Ziel-Sieg schaffte.

„Letztes Jahr habe ich den Rekord noch um sieben Sekunden verpasst Und bin am Rekord gescheitert, weil ich zu schnell angelaufen und am Ende etwas eingebrochen war!“ Leander Fink jedenfalls hatte seine Lehren aus diesem minimalen Fauxpas gezogen. Und, weil er sich nach der erfolgreichen Saison 2025 immer noch gut gefühlt hatte, einen Marschplan aufgestellt. Mit einem Tempo, das auf der ersten Streckenhälfte bis Dannenfels einen 3:15er Schnitt vorsah, bevor sich die steile Rampe in der kleinen Ortsgemeinde, die politisch zu Kirchheimbolanden gehört, auftut.

„Ich habe immer wieder auf die Uhr geschaut, weil ich mich unterwegs ziemlich schlecht gefühlt hatte, aber immer noch sicher war, dass es zum Rekord noch reichen könnte!“ Und es reichte, mit einem gehechteten Satz über die Ziellinie. „2018 bin ich erstmals hier gestartet und lief 34:50 Minuten. Und hörte immer wieder, dass der Rekord niemals gebrochen werden würde. Und dies, obwohl mit Jonas Lehmann oder Tim Könnel schon starke Läufer am Start waren!“ Und so erklären sich auch seine euphorischen Worte: „Dieser Rekord bedeutet mir alles!“

Sprachs – und war gedanklich sogleich wieder bei den ab der kommenden Woche anstehenden Prüfungen Z2, das theoretisch-praktische Zweite Staatsexamen für den Zahnmedizinischen Bereich. Und die sportlichen Pläne für die Sommersaison anreißend: „Schnelle 5000 m auf der Bahn, im Herbst 10 km in München und vielleicht auch wieder den Halbmarathon in Valencia“ – das Thema Berglauf blieb dabei dezent ausgeklammert. Obwohl sich der Pfälzer Berglauf-Pokal mit den Asphaltstrecken am Donnersberg, dem Potzberg und der Kalmit mit lediglich drei Läufen in der finalen Wertung geradewegs für den schnellen Straßenläufer anbieten würde.

Auch Lennart Nies, der mit 27:44 auf Rang zwei folgte, zeigte sich trotz des relativ großen Abstandes zu Leander Fink, „sehr zufrieden“, zumal der Start am Donnersberg als Generalprobe für den in der Folgewoche anstehenden Kandel-Marathon galt. „Meine Zeit liegt im absoluten Normbereich, den ich in den letzten Jahren mit einer Streuung von vielleicht zehn Sekunden immer hatte!“ In Kandel wird er übrigens zusammen mit Tin Könnel, der ebenfalls exzellente Donnersberglauf.-Erfahrungen aufweisen kann, auf eine 3:25-Endzeit anlaufen.

Auf den Plätzen drei und vier tauchen mit Uwe de Mas und Hannes Ebener zwei Läufer auf, die ihre Berglauf-Premiere mit Bravour bestanden. Der für den DSW 1912 Darmstadt startende eigentliche Triathlet Uwe de Mas lief mit 29.24 Minuten ein bemerkenswertes Rennen und offenbarte seine Bergaffinitäten, denn der 33jährige Betriebswirt wohnt am Fuße des Melibokus, der höchsten Erhebung der hessischen Bergstraße. Als Teamleiter der Bundesliga- und Regionalligateams der starken DSW-Mannschaften ist er als aktiver Triathlet eher in der zweiten Reihe und kann sich auf eigene Aktivitäten wie die Läufe der Winterlaufserie in Rheinzabern neben seiner jungen Familie kümmern. „Ja, ich möchte die Berglauf-Pokal-Serie laufen“, bekennt sich Uwe zu seiner neuen Leidenschaft Berglauf.

Dies trifft gewiss weniger für Hannes Ebener zu, der als 800 m-Läufer zuletzt im Januar noch Vizemeister bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften in der Halle mit 1:57:93 Minuten war. Nun war der 20jährige im Trikot der TSG Eisenberg fünfzehn Mal so lange unterwegs, zudem erheblich kräftezehrender. Als Vierter des Gesamteinlaufes in 20:40 Minuten ließ er so etablierte (weil routinierte) Bergspezialisten wie die beiden für den TV Maikammer startenden Marcel Job und Marko Martin (Sieger der M50) mit 30:08 und 31:06 doch deutlich zurück. Als Siebter überraschte der 16jährige Gabriel Laukert, der wie Leander Fink für den TV Alzey Laufteam startet, mit 31:14 Minuten. Hier die Mastersläufer wie Stefan Mainzer (1. M55), Florian Schlindwein (1. M45) oder Andy Tindall (1. M65), dort die jungen Berglauf-Himmelsstürmer wie Christian Stengl (1. U20), Björne Hörter (2. I18), Justus Nauerz (3. U18) oder der 15jährige Hugo Seither, die sich im großen Feld im ersten Viertel des Gesamteinlaufes wiederfanden.

Ein gelungenes Comeback nach ihrer Anfang Dezember erfolgten Operation gab als Frauensiegerin Simone Raatz, die bei dieser „Gelegenheit“ ihren inzwischen achten Sieg am Donnersberg feiern konnte. „Mit dem Einstieg sollte ich schon zufrieden sein, zumal ich mich schon recht schwergetan habe“, gestand Simone, die erstmals in der W50 an den Start gegangen war. Mit 34:18 Minuten wurde sie zudem Achtzehnte des Gesamteinlaufes und lag zwar etwas hinter ihren bislang erzielten Endzeiten, hatte aber fast zwei Minuten Vorsprung auf Natascha Hartl, die erstmals für den TV Alzey Laufteam an den Start gegangen war. Etwas frischen Wind in der Pfälzer Szene wird man von der Berglauf-Novizin Katharina Dietz erwarten dürfen, die als Dritte in 37:08 Minuten zudem einen starken Einstand im Trikot des LC Donnersberg geben konnte. Die 35jährige Ärztin aus Rockenhausen plant wie auch Simone und Natascha die Berglauf-Serie, die schon in zwei Wochen mit dem Nanstein-Berglauf fortgesetzt werden wird.

Hinter der W40-Siegerin Eva Herbold (LCO Edenkoben) folgten gleich drei Läuferinnen des TV Maikammer mit Sarah Schmitt (3. W35), Laya Manz (U16) und Yvonne Manz (2. W50), erst dahinter mit Marion Raab als W50-Dritte eine weitere Stammläuferin der Pfälzer Bergläufe.

Am Ende des langen Lindwurms von Steinbach zum Ludwigsturm lief mit der Startnummer 33 Hubert Willems, der für die 7,2 km lange Strecke mit 318 Höhenmetern 1:08:39 Stunden benötigte. Und diese 33 hat eine besondere Bewandnis, denn der 66jährige aus Köllerbach hat als einziger aller Donnersbergläufer alle 33 Läufe mitgemacht, treffend dabei noch seine Platzierung, die auf Rang 337 ebenfalls eine 33 beinhaltet.