Wenn 100 irische Läufer die größte Auslands-Delegation stellen

dann ist für beste Stimmung trotz permanentem Schneefall beim Swiss Snow Walk & Run in Arosa gesorgt. Für den S16-Tagessieg sorgte jedoch ein Deutscher: Andreas Meindl aus München. Bei Neuschnee war die erstmals federführende Agentur Tuffli Events AG gefordert – und hat „geliefert“

Es kommt nicht von ungefähr, dass hartgesottene Iren die 22. Auflage des Swiss Snow Walk & Run in Arosa zur Party-Zone machen. Sie sind, gleich welche Außenbedingungen herrschen, vornehmlich fröhliche Menschen und lieben besondere Herausforderungen. Vor exakt einem Jahr schnupperten fünfzig Mitglieder des Good Glow Run Club beim Schneelauf- und -Walk-Anlass in der Sport- und Ferien-Destination, kehrten begeistert ob des Bilderbuchwetters der Schneelandschaft zurück auf die „grüne Insel“, um nun in doppelter Teilnehmerstärke Anfang Januar 2026 zurückzukommen. Statt strahlend blauem Himmel gab es heuer allerdings dichten Schneefall, kaum Sicht auf die umliegenden Gebirgsmassive, der Witterung geschuldeten Streckenverkürzungen und den Wegfall des herausfordernden Trails zum 2653 m hohen Weisshorn. Doch diese völlig konträren Rahmenbedingungen ließen die Stimmung keineswegs kippen, die Alan, Aoife, Declan, Sinead, Vanina, Grainne, Brendan und Co. machten auch im Tiefschnee am Obersee die Uferzone zur Partymeile. Freilich zunächst eher mit Gerstensuppe und Elektrolytgetränken….

Der äußere Rahmen mit den angerissenen Bedingungen wurde zugleich zur ersten Herausforderung für die neue Organisation Tuffli Events AG, die mit der 22. Auflage mit der Projektleiterin Livia Schröpfer im Verbund mit den auf der Strecke die Abläufe beobachtenden Andrea Tuffli und Juniorchef Jon Tuffli sogleich auf dem Prüfstand war. Zumal die erfahrenen Trailevents-Macher aus Chur sogleich einige Umplanungen vornehmen mussten. Wegen Schneemangel konnte der Parcours zum Weisshorn nicht wie gewünscht für das Rennen präpariert werden, sodass die S11-Teilnehmer kurzerhand auf den S16 umgruppiert werden mussten. Aus der ursprünglich mit 11,3 km und 1028 Höhenmetern ausgewiesenen Distanz wurde nunmehr final 14 km und 500 Höhenmetern. Diese Modifikation war freilich in den vergangenen Jahren schon mehrfach erforderlich – zum Leidwesen der Kletterer, eher zur stillen Freude der Landschaftsläufer. Die Natur jedenfalls lässt sich nicht programmieren, sodass Flexibilität bei den Event-Verantwortlichen gefragt ist.

Und diese erforderliche schneebedingte Maßnahme sollte für den S16-Sieger Andreas Meindl zum Glücksgriff werden, denn der Münchener, der bei lizenzierten Läufen für die LG Stadtwerke startet, ist eher ein Spezialist für „flachere“ Geländedistanzen. Der 36jährige Allroundläufer ist sowohl bei diversen Anlässen in der bayerischen Landeshauptstadt als auch bei profilierten Rennen im Alpenvorland wie dem Allgäu Panorama Trail erfolgreich unterwegs und war nach zunächst eher defensivem Rennverlauf nach 1:09:58 Stunden mit knappem Vorsprung von nur 19 Sekunden vor Michael Alexander Flückiger, der mit einem UTMB-Index gelistet ist und eher auf den längeren Distanzen unterwegs ist.

„Dies ist ein richtig toller Anlass“ kommentierte Andreas seine ersten Eindrücke vom Swiss Snow Walk & Run im Zieleinlauf gegenüber dem Moderations-Urgestein Robert „Röbi“ Schumacher. Seinen ersten Sieg hatte der Münchener dabei schon an der Mittelstation der Weisshornbahn vor Augen, als er zu dem bis dahin leicht in Führung laufenden Michael Alexander Flückinger auflaufen konnte.

Für Andreas Meindl gestaltete sich das Wochenende in Arosa als einen besonderen Glücksmoment, denn schließlich hatte er die Startberechtigung für den Swiss Snow Walk & Run als Gewinner einer Losziehung beim Swissalpine in Flims gewonnen.

Mit etwas mehr als vier Minuten Rückstand wurde Hansueli Frei Dritter vor dem bestplatzierten der Irischen Delegation, Marc Fitzachary, der knapp fünf Minuten hinter Andreas Meindl zurücklag. Ein vorzügliches Rennen lieferte einmal mehr André Reithebuch als Sechster nach 1:17:17 Stunden in Arosa ab. Der frühere Mr. Schweiz arbeitet heute als Unternehmer in der Möbelbranche und Bergführer und ist sportlich bei zahlreichen Trails und Skitouren unterwegs. „Weil es direkt nach dem Start schon in die Steigung ging, kam ich gut ins Rennen. Bei diesen Bedingungen war es natürlich besonders kraftintensiv, aber gerade das ist meine Stärke!“ Wie gut 200 andere Läufer hatte sich der 40jährige im Ursprung auf den S11 mit 1000 Höhenmetern vorbereitet, zeigte aber nun auch auf der schnelleren Strecke seine läuferische Leistungsstärke. Bester der traditionell stark vertretenen deutschen Starter wurde auf Rang 12 der Balinger Felix Prothmann (1:21:50).

Schon auf Rang acht des 450 Teilnehmer starken S16-Wettbewerbs lief die tschechische Ultraläuferin Andrea Vlasakova nach 1:19:21 Stunden ins Ziel. Die 37jährige, die in der vergangenen Saison die prominenten Läufe wie Wildstrubel by UTMB (über 113 km) und Berlina Ultraks (über 43,7 km) gewinnen konnte, lag damit allerdings nur knapp drei Minuten vor der erst 17jährigen Nina Gujan vom BTV Chur, die zur Schweizer OL-Nationalmannschaft gehört und im Winter auch mit Skiern bei OL-Wettbewerben unterwegs ist. Beste deutsche Starterin war die für den LC Donnersberg startende Natascha Ferara (1:35:44).

Neben den bestplatzierten Startern, die sich durchwegs überaus lobend über die Veranstaltung äußerten, obgleich diese bei der Premiere mit rund 800 Teilnehmern etwas hinter den Zahlen der letzten Jahre zurück lagen. Begründet allerdings auch im Verzicht auf die Halbmarathondistanz und der Streichung des Weisshorn-Runs. „Wir möchten Schritt für Schritt diese Veranstaltung ausbauen“, erklärt Liva Schröpfer die Philosophie des neuen Engagements der Tuffli Events AG in Arosa. „Da ist vielleicht am Anfang weniger mehr!“

Viele der „Wiederholungstäter“ freuten sich wie Tom vor allem über den Neuschnee: „Ich bin zwar nur den S4 gelaufen, aber es war durch den Schneefall besser zu laufen als im Vorjahr, wo es an vielen Stellen durch den eisigen Untergrund sehr glatt war!“ Oder Marco aus Basel: „Das hat richtig Spaß gemacht. Ich war vor zwei Jahren schon einmal hier, doch damals nur als Begleiter. Ich war überrascht, wie gut die Strecke zu belaufen war!“ Und Maria aus München lachte mit ihrer Freundin Daniela bei einem Becher Gerstensuppe: „Das hat wirklich Charme. Auf dem Schnee kann man gut seinen Rhythmus laufen“.

Entspannt beobachtete Rahel Bachmann die Neuauflage des Snow Walk & Run-Events. Als Projektleiterin Sponsoring für die Ostschweiz betreut sie bei Migros die 18 ausgewählten Laufveranstaltungen. Und legt auch kurzerhand einmal Hand an, wenn sie denkt, dass hier eine helfende Hand vonnöten ist. Wie beim Stecken von Markierungsfähnchen auf der Strecke, wenn im Kreuzungsbereich von Läufern und Skifahrern und Snowboardern möglicherweise Gefahr im Verzug zu sein scheint. „Ich war hier auch schon dabei. Mein Ziel ist es, überall dort, wo wir aktiv sind, selbst einmal mitzulaufen. Ich komme aus einer Lauffamilie und spiele selbst Hockey. Da gehört Konditionstraining und Jogging auch für mich einfach zum Tagesablauf!“ Und freut sich über den regen Zuspruch am Migrosstand, wo heiße Gerstensuppe für die 800 Teilnehmer ausgegeben wird. „Wir wollen dort sein, wo die Läufer sind. Und dabei Wärme schenken. Deshalb haben wir uns für die Gerstensuppe entschieden!“

Und dieses hat Tuffli Events AG mit der Übernahme der Organisation des Swiss Snow Walk & Run im Verbund mit engagierten Partnern wie Migros geschafft, auch wenn die Bedingungen für die Durchführung der vier Wettbewerbe in vielerlei Hinsicht herausfordernd waren.